08.10.2008
Streckziehanlage von Airbus zur Herstellung von Teilen des neuen A380 modernisiert

Die Streckziehanlage wird für die Formgebung von verschiedenen Außenhautteilen – zum Beispiel Teilen des Rumpfes – aller Airbus-Typen verwendet.
Müller Weingarten in Esslingen, ein Tochterunternehmen des Schuler Konzerns, hat den zweiten Service-Auftrag vom Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus Deutschland GmbH erhalten. Es handelt sich um den Retrofit einer Streckziehanlage im Airbus-Werk in Nordenham bei Bremen. Dort werden Hautfeldstrukturen für alle wesentlichen Airbus-Programme gefertigt – unter anderem den neuen A380.
Eine der wesentlichen Fertigungseinrichtungen des Airbus-Werkes in Nordenham ist die Großblechfertigung. Hier werden zylindrische und sphärische Aluminium-Hautfeldbleche hergestellt. Am Anfang der Produktionskette steht das Streckziehen. Für Großbleche mit komplexer Geometrie wird dieser Fertigungsschritt auf einer Steckziehanlage mit einer Presskraft von 750 Tonnen durchgeführt. Diese ist seit 1993 bei Airbus in Nordenham im Einsatz und wird für die Formgebung von verschiedenen Außenhautteilen – zum Beispiel Teilen des Rumpfes – aller Airbus-Typen verwendet. Diese sogenannten Hautfelder werden mit anderen Bauteilen im nachgelagerten Produktionsprozess zu Rumpfschalen zusammengefügt. Diese werden anschließend von Nordenham aus über die Straße oder mit dem Schiff ins Airbus-Werk nach Hamburg transportiert, wo die Rumpfmontage erfolgt.
„Nach der erfolgreichen Modernisierung einer Müller Weingarten-Streckziehanlage im Jahre 2005 haben wir uns bei diesem Projekt Müller Weingarten wieder als Partner gewünscht“, erklärt Airbus-Projektleiter Mirko Wiedenhoeft.
Retrofit in nur fünf Wochen
Das Retrofitting wurde in einer Rekordzeit von nur fünf Wochen realisiert. Zunächst überarbeitete Müller Weingarten die komplette Elektrik und Hydraulik. Dabei wurde die gesamte Elektroinstallation durch eine neue mit Ethercat-Technik ausgerüstete Installation ersetzt. Wichtigstes Element war in diesem Zusammenhang die Erneuerung der Steuerung. An Stelle der nicht mehr lieferbaren Maschinensteuerung Allen Bradley wurde eine Beckhoff-PC-Steuerung in Verbindung mit einer Pilz-Sicherheits-SPS installiert. Besonders anwenderfreundlich ist dabei die sehr gute Visualisierung. Gleichzeitig wurde die störungsanfällige Hydraulik durch entsprechende Servo- und Proportionalventile mit neuer Achsen-Positionierung ersetzt.
Anschließend galt es, die neue Hardware zum Laufen zu bringen. Dafür entwickelte Müller Weingarten verschiedene Programmierhilfen wie zum Beispiel:
- Errechnung der im Blech wirkenden Streckkraft mittels Vektorgeometrie
- Kopplung räumlich synchronisierter Achsen auf errechneten Wegpunkten
- Errechnung von tangential zum Werkstück verlaufenden Streckwegen
„Nach intensiven Testläufen erfolgten Mitte August 2008 Montage und Inbetriebnahme. Besonders hat uns gefreut, dass wir uns beim aktuellen Auftrag gegen den Hersteller der Anlage durchsetzen konnten“, erläutert Hermann Missal, Projektverantwortlicher bei Müller Weingarten.
„Durch die Modernisierung der Anlage wurde die Prozesssicherheit deutlich gesteigert. Beeindruckt hat uns besonders die Einhaltung des engen Zeitrahmens durch Müller Weingarten sowie die professionelle Abwicklung des Gesamtprojekts“, so Jens Riemeier, Leiter Instandhaltung bei Airbus, und Airbus-Projektleiter Mirko Wiedenhoeft.